Wenn man fünfzehn ist in Deutschland, kommt man nicht darum herum, sich mit der unrühmlichen Rolle der Deutschen im Schreckensjahrhundert zu beschäftigen. Das war in der DDR so wie im Westen und auch heute in der vereinten Republik.
Unsere Familie war ziemlich unbeschadet durch WW2 gekommen, keine Frontsoldaten, keine politischen Aktivitäten oder Mitgliedschaften wo auch immer. Man hatte ein paar Beschwerlichkeiten und eine Bombe auf dem Acker, sonst blieb alles heile und das Leben ging halbwegs normal. Geschichten von Oma halfen also nicht weiter. Ich war gerade zu besessen von Büchern und Geschichten, die sich damit auseinander setzten, habe alles aus der Bibliothek und den zugänglichen Bücherregalen gelesen, was sich finden ließ.
Und dann kam von Dieter Noll "Die Abenteuer des Werner Holt", eines sechzehnjährigen Gymnasiasten aus einer Kleinstadt, so wie wir das waren. Ich war schockiert von der Vorstellung, dass mich einzig die späte Geburt davor bewahrt hatte, derlei "Abenteuer" durchleben zu müssen. Ich konnte verstehen, dass unser Nachbar - der mit der komischen Nase - von seinem Russlandfeldzug nie etwas erzählte. Nichts, außer dass ihm eben diese dort erfroren sei.
Ja, das Buch war Pflichtlektüre in der Schule. Das mindert seine Qualität keinesfalls. Ich halte es nach wie vor für ein wichtiges und hervorragendes Buch und stelle es gerne in eine Reihe mit Remarques "Im Westen nichts Neues". Und ich habe die erste große Prüfung meines Lebens damit bestritten und einen wunderbaren (sagen die Korrektoren) Abschlussaufsatz am Ende des zehnten Schuljahres damit bestritten.
... und außerdem noch vom gleichen Autor "Kippenberg". Passend zur neuen Lebenssituation nach dem Abitur und angehende Akademikerin lernt ich von Dr. Kippenberg, dass man bei einer Entscheidung immer auch die eigenen Fähigkeiten mit einbeziehen muss - und dann vielleicht über die 50%-Chance kommt und die Sache mit Selbstvertrauen anpacken sollte.
Definitiv empfehlenswert das Buch! War eines der wenigen Unterrichtsbücher, die ich zur Schulzeit wirklich gerne gelesen habe - dieses sogar zwei Mal. Lehrreich, interesant und fesselnd (alles Eigenschaften, die z.B. "Effie Briest" komplett abgehen...).
AntwortenLöschenSehr schöne Empfehlung! :-)
Ich habe es nicht nur einmal gelesen sondern sogar immer noch zu Hause stehen, ich habe es geliebt, es ist eine gute Idee, mit dem Abstand der Jahre mal wieder darin zu blättern.
AntwortenLöschenLG Shoushou